Geschichten leben

Prägnante Charaktere, starke Szenen, überraschende Abenteuer, Leidenschaft und Spannung. Für die Geschichte.



Heldenreisen beginnen harmlos, Fäden verknüpfen sich, atemberaubende Entwicklungen prägen Ihre Gedanken.
Spannung, Spaß oder Entsetzten?

THEMA: Romantik 

 

Der letzte Schnee des Jahres fiel in dicken Flocken. Schräg. Durch den Wind. Die ungewohnte Stille war das Schönste. Er sah das Leben, die eiligen Menschen und alle Geräusche waren gedämpft. So konnte die Phantasie zarte, romantische Melodien einfügen, ganz tief, aus der Erinnerung geholt, während die echten Klänge des Alltags sich weiter entfernten. Er erinnerte sich an die winterlichen Spaziergänge mit seinem Großvater. Bis in`s kleinste Detail erinnerte er sich. Der gemeinsame Ausflug zur Aussichtsplattform an den Rhein, die Geborgenheit, während zu Hause seine Mutter und Großmutter später wieder für ein wunderbares Mittagessen sorgen sollten.  Er dachte an die Geschichten, die sein Großvater zu erzählen wusste, an seinen feinen Humor. Wenn ein 80 Jähriger Humor beweist und ein Zehnjähriger es bemerkt, sich daran erfreut und lacht, glücklich ist, über den weisen großen Vertrauten an seiner Seite, dann ist das Humor gepaart mit Güte. Die kommt direkt aus dem Herzen, ohne Berechnung. 

 

"Heiligabend in zwölf Jahren musst Du an unserer Aussichtsplattform sein. Um drei Uhr Nachmittags, denke daran, mein Junge !" Er hielt Rene fest am Arm, blickte ihn eindringlich an und nahm ihm, ohne weitere Worte von Beiden, dieses Versprechen ab. Er wollte nicht mehr darüber reden, lächelte nur. Sie verstanden sich ohne viele Worte. Das war drei Jahre vor seinem Tod.   

 

Rene war nicht sicher, ob das alte Rätsel heute wirklich eine Erklärung finden würde. 

 

Die eiligen  Menschen um ihn herum, mit konzentrierten Blicken, auf Umgebung, Handy und Armbanduhr, mit meist hektischen Bewegungen, brachten Rene wieder in die Gegenwart. Er war einer von ihnen. Immer in Eile, die Arbeit ehrgeizig erfüllt um unter Termindruck, Problemlösungen zu bestehen, waren die Inhalte seiner Tage. Ziele waren Budgets, Zahlen zu erreichen der Tagesinhalt, die Zahlen noch zu übertreffen der oberste persönliche Ehrgeiz. Benchmarks, Aktienkurse, Vorjahresergebnisse, Liquiditätsplanungen füllten seine Tage.

 

Ganz persönlich, bestimmten Gefühle seine Entscheidungen, aber er war doch mehr Spieler, als Spielball, denn seinen inneren Sehnsüchte und Leidenschaften hatte er nie budgetiert. Rene lächelte still, als er automatisch an die Gestaltung eines entsprechenden Programms dachte. "So tief sitzt das also schon.." Er lachte herzlich. (...) Die alte vertraute Aussichtsplattform kam in Sicht. Schneeweiß. Er sah auf die Uhr. Opas Uhr. "Fünf vor". flüsterte er. Plötzlich bemerkte er eine Bewegung neben sich und griff blitzschnell zu. (...)    

THEMA: Mystery

 

Damals, das war im Frühjahr 1946 an den Elbbrücken im abgelegenen Hamburger Statdtteil Veddel, einem Teil  des großen Hafengeländes, das durch Fliegerbomben besonders stark zerstört worden war. Julius fuhr mit seinem Fahrrad am frühen morgen durch diese unwirkliche Gegend, in die ländliche Umgebung. Noch 16 KM lagen vor ihm. Hier, in Hafennähe, waren die Zerstörungen besonders deutlich zu sehen. Ein trostloses Bild. Als Kind hatte er hier schon gespielt, geboren war er in Hammerbrook, im Mai 1898. Durch die Kälte roch er den Schnee, vermischt mit den charakteristischen Geruchsmischungen des großen Hafengeländes, das immer wieder von Trümmerbergen dominiert wurde.

Er musste sich beeilen, Olly und sein einziges Kind, die neunjährige Isabel erwarteten ihn. Er zog den Kragen hoch. Durch den starken Westwind fiel der leichte Schnee schräg und traf ihn voll.  Der Stoff war zu dünn für die Jahreszeit, die Feuchtigkeit war bald überall. Seine Frau war sehr krank. Wahrscheinlich, dachte Julius, würde sie nun, nach dem letzten Schub, für immer auf den Rollstuhl angewiesen sein.    

 

Der Unbekannte stand plötzlich vor ihm. Bewaffnet mit einer Maschinenpistole und bekleidet mit einer Art Uniform, die mehrfarbig war. Das Bild war so klar in Julius Augen, als hätte er das ungewöhnlichte Erlebnis gestern gehabt. Das Haltesignal war allerdings deutlich. Zum Ausweichen, hätte er über die beschädigten Schienen  fahren müssen. 

 

Julius stoppte. Der Mann  sah nicht wirklich aus. Zu bunt gekleidet, zu auffällig. Er war nicht von hier.

 

Sein Anliegen war ungewöhnlich, geradezu phantastisch.

 

Trotz der Erlebniss der vergangenen Kriegsjahre, der Denunzierungen und Degradierungen, dem Tod und Verschwinden geliebter Verwandter und Freunde, war Julius ein positiv denkender Mensch. Vorsichtig natürlich und keineswegs leichtgläubig. 48 Jahre Leben, Kriege und Enttäuschungen, Freude , Liebe und eine gütige Erziehung hatten ihn geprägt. 

 

Der heutige Tag sollte sein Leben und das seiner Familie heute und auch morgen unvorstellbar verändern. (……)

 

 

Impressionen

Jedes Bild erzählt eine kleine Geschichte. Mindestens.