Geschichten leben

 Krimiabenteuer im HoReCa-Umfeld
(Ho
tel, Restaurant, Catering): 

"Nachtdienst für 5 Sterne." 

Prägnante Charaktere, starke Szenen, überraschende Abenteuer, Leidenschaft und Spannung. Für die Geschichte.  

Heldenreisen beginnen harmlos, Fäden verknüpfen sich, atemberaubende Entwicklungen prägen Ihre Gedanken.
Spannung, Spaß oder Entsetzen?



"Nachtdienst für 5 Sterne." 


Ein Blick hinter die Kulissen, von Logis & Kulinarik. Natürlich fiktiv, denn im Mittelpunkt, da ist doch stets der Gast?!   

(Die Branche der Hospitalität ist wunderbar vielfältig. Nur wenige Ausnahmen bieten enttäuschende Horrorhotels, Banketts in freiem Fall, Restaurantbesuche mit Reanimationsbedarf, Erfordernisse für investigatives Catering, unkontrollierte Sinkflug-Inflights, die professionelle Beratungslosigkeit.)

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 Zusammenfassung des Romans: "Nachtdienst für 5 Sterne":

Max arbeitet seit Jahrzehnten im 5* Hotel „City Towers Hamburg“, das morgen für immer seine Türen schließt. Viele Jahre war er hier Vizedirektor, seit seiner Pensionierung arbeitet Max als Aushilfe am Empfang. 
In der Nacht vor seinem letzten Arbeitstag geschieht ein Mord im Hotel. Nur zwei Zimmer mit fünf Gästen sind belegt, um deren Sicherheit sich Max, zusammen mit dem einzigen weiteren Bediensteten, seinem Vertrauten „Chief“, kümmert. First class Service war stets das Motto des 1898 gebauten Luxushotels. Dieses Motto wird auch heute Nacht gelten! 
Das elektronische Überwachungssystem lügt nicht: Der Mörder ist noch im Hause. Max und Chief mobilisieren ihre Kräfte, um die Gäste aus der Nähe des Killers, durch den alten verborgenen Kellerweg, zum verfallenen Bootsanleger zu evakuieren und hinaus zu eskortieren, ohne Alarm auszulösen. 
BAL heißt Ihr Gegner. Er ist ihnen physisch und psychisch hinsichtlich Taktik, Strategie, Kampfkunst, Spurenlegung, Bluff, Leistungserhalt weit überlegen. Seine gefährlichste Waffe: Empathielosigkeit. Er muss im Hotel etwas finden, was überall sein konnte. Ihm wird deutlich, dass er alleine ewig braucht. Die beiden Witzfiguren, Max und Chief werden helfen. 
Aber auch Max hat ein großes persönliches Problem und ebenso Chief, obwohl viel jünger, als Max,  ist in seinem Handeln eingeschränkter, als sie es sich eingestehen. 
Max hatte im Lauf der vielen Jahre bedrohliche Situationen erlebt, Lösungen gefunden, Probleme bewältigt, sodass er ihren ausweglos erscheinenden Status, mit einem Male klarer sieht. Die Erinnerungen mussten dichter werden, was hätte er früher gemacht und wie hätten seine Gäste, darunter Damen und Herren aus Sport, Militär, Security, Schauspiel, Philosophie, Weltpolitik, sich verhalten?  Er musste gedanklich wieder mit ihnen in den Dialog treten, sich deren Wissen aneignen.         

Max erlebt das Hotel in wechselnden Zeitphasen, durch Erinnerungen füllt es sich. Beim Gedanken an vergangene Gästekontakte, Dialoge, Satzfragmente vertraulicher Gespräche, Träume, spürte er beinahe das frühere Leben des Hauses. An Stelle des bei indigenen Völkern gelehrten Grundgedankens „was würden meinen Ahnen in dieser Situation tun?“, fragt Max so bestimmte Gäste nach deren Meinung, er sieht sie beinahe vor sich.  Er trifft in seinen Gedanken auf Zeitgeschichte, Sir David Bowie, Lady Di, Dalai Lama, Governor Schwarzenegger. 
Sein Plan: Erinnern, denken, handeln: Jetzt. So erkennt Max langsam die Zusammenhänge zwischen dem Mord, einem lange zurückliegenden Vermissten-Fall und einem harmlos erscheinenden Hausfriedensbruch. 
Dann wird Marie, die ermittelnde Kommissarin, von einem weiteren Täter angegriffen, während ein zweites Hotel ebenfalls zum blutigen Tatort wird. 

Alle Täter suchen das Gleiche: Alte, in einem Hotel aufbewahrte  Aufzeichnungen zu Bedingungen und Umständen des Menschseins, der „Conditio humana“, die heute, in Verbindung mit „K.I.“, künstlicher Intelligenz der Gegenwart, eine brandgefährliche Waffe ist. 

Ihre Situation ist surreal, abstrakt. Aber in der Kunst ist Abstraktion nur ein Portal, nicht das Finale. Das Abstrakte kann Sichtweisen schärfen, im Prozess des langsamen Erkennens. 
Max und Chief, Marie und die weiteren Ermittler, tauchen ein, in vergangene Taten, um unser Leben zu stabilisieren. Dabei reisen sie durch die Zeiten und Max fühlt sich immer jünger. Jung genug, für weitere Ermittlungen mit Marie und ihrem Team. 

Leidenschaftliche Persönlichkeiten kämpfen hochengagiert für die Zukunft der Erde. 


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Kapitel 1 

Er konnte nur langsam erfassen, was er unmittelbar vor sich sah. Mit höchster Anspannung spürte er die brutale Wucht der Situation. Völlig unerwartet traf sie ihn, es rauschte in seinem Kopf, die Gedanken überschlugen sich. 

Max lauschte atemlos. Waren die polternden Geräusche verstummt? Er hörte nichts. Keine Schritte, keine Türen, kein fremdes Atmen. Gespenstische Stille und Dunkelheit, abgesehen von der schwachen Notbeleuchtung am Boden, die nur der Wegmarkierung diente, aber weder wirkliches Licht bot, noch Schatten spendete. Trotzdem war auch der nur schwache Lichtschimmer in diesem Moment gespenstisch. 

Max konzentrierte sich. Das geschah jetzt wirklich hier, an dieser Stelle des pulsierenden Lebens. Sie waren an einem Ort, der vor langer Zeit für Menschen gebaut war, aber nicht für Tote, gedacht für Gestaltung, Zusammenkunft und Entwicklung, nicht für Verfall. 

Es war jetzt ein anderer Ort geworden, anders in seiner Seele und so würde es bleiben. Seinem langjährigen Vertrauten, dem Chief, der ebenfalls hellwach auf dem Flur stand, gab er durch Handzeichen zu verstehen, leise und hinter ihm zu bleiben. Die Gedanken überstürzten sich. Max war klar, dass jede Entscheidung, jeder Schritt den sie jetzt taten, entscheidend war, wenn sie morgen auch noch leben wollten.    

Die erschreckend große Menge an Blut, ließ keine Hoffnung zu, dass der Tote, der gerade eben noch ein atmender, denkender, planender und handelnder Mensch gewesen ist, doch noch wieder reanimiert werden könnte. Von früheren eigenen Blutspenden, hatte Max einen Blick für problemlose Blutentnahmen von etwa ½ Liter. Was er sah, war jedoch sehr viel mehr. Der von Einschüssen entstellte Mensch war ein alter Mann, der vor wenigen Minuten noch einen intakten Kopf gehabt haben dürfte, der alle seine sieben Sinne jahrzehntelang meist zuverlässig gesteuert haben wird. Der Anblick ließ Max unbewusst wahrnehmen, dass gerade eben Jemand grob, hart und brutal getötet hat. Genau an dieser Stelle. 

Hier konnte nichts mehr helfen. Der Anblick war grauenhaft, trotzdem musste er Gewissheit haben. Max war einer der Ersthelfer des Hotels. Er fühlte, um ganz sicher zu gehen, die Halsschlagader des Mannes, sah das Opfer genau an, stockte kurz und war nun sicher, dass er keinem der fünf Hotelgäste ähnelte, die alle deutlich jünger waren, als dieser Mann. 

In # 201 hatten Prof. Hans–Georg und Dr. Bertha Kellermann eingecheckt, In Suite 400 waren der kleine Charly mit seinen jungen Müttern Sandra und Paula Banner einquartiert. Die Sicherheit dieser Gäste hatte jetzt alleinige Priorität.  Der Tote muss schon etwas länger im Hotel gewesen sein, aber wo?  

Dieser Mensch war hier gewaltsam zu Tode gekommen. Das musste reichen. Zwar waren im Laufe der über 120 jährigen Tradition Hotelgäste verschieden, aber niemals hatte ein Gast das Hotel, bedingt durch eine Gewalttat, post mortem durch einen der Haupteingänge verlassen. Wer ging, kam wieder und zwar jeweils aufrecht, mit Gepäck. Das City Towers Hamburg verfügte allerdings über mehrere, kaum als solche erkennbare Lastenlifte, die manuell vergrößert werden konnten, um schweres Gerät zu transportieren, aber auch Rollstühle, Einrichtungsgegenstände, Möbel, Krankenliegen, oder eben… Särge.   

Chief hinter ihm stehend, atmete hörbar, sagte aber kein Wort, er überließ Max die Initiative.  Er war wesentlich jünger als Max, aber sie verstanden sich ohne großen Wortwechsel, wie es vielfach, gerade in norddeutschen Partnerschaften, üblich war. Oft ein lustiges Klischee, manchmal eine etablierte Lebensform, hier und heute womöglich ein lebenserhaltender Kommunikationsweg. Max legte seinen Zeigefinger auf den Mund und deutete auf die Blutspur, damit sie keine Spuren vernichteten. Diesem Mann konnte sie nicht mehr helfen. Hellwach legte Max eine Feuerlöschdecke aus dem Notfall-Board über den Toten, nachdem er mit der anderen Hand, dessen noch entsetzt aufgerissene Augen behutsam geschlossen hatte. 

Jetzt ging es um Gästeschutz in Zimmer 201 und Suite 400: Das war ihre Verantwortung. 
Und um ihren Eigenschutz: Das war ihr Leben. 

 Kapitel 2 

Alle Türen, Fenster, Notausgänge waren gesichert. Die zentrale Steuerung hatte Max auf seinem Tablet, geschützt mit Panzerglas, Spritzwasserschutz und stoßgesichertem Lederetui. Das war die einzige Zentraleinheit. Ein Umgehen dieser Sicherung war passwortgeschützt und nur durch Eingabe von Max möglich. Aufgrund der morgigen Hotelschließung, war bereits alles kanalisiert auf den letzten diensthabenden „Duty-Manager“ ausgerichtet, anders, als im Standardbetrieb. Die gute Nachricht war also, dass keine Türen oder Fenster aufgebrochen worden sind. Das Hotel war weiterhin zuverlässig gesichert. Einbrüche konnten ausgeschlossen werden. Ausbrüche ebenfalls. 

Der Körper aktivierte bei dieser Erkenntnis, weitgehend unbewusst, die Schutzmechanismen für höchste Alarmierung, so wie schon vor Jahrtausenden die Jäger der Steinzeit in maximale körperliche Präsenz versetzt wurden, wenn sie den sprichwörtlich übermächtigen Angreifer, den Säbelzahntiger, oder sonstige Gefahren spürten, oder hörten. 

Max schoss das Adrenalin durch die Adern, er sah Chief an, der einerseits sportlich und muskulös war, aber gleichfalls auch Aggression und Konfrontation vermied. Konzentration lenkte Max. Beide hatten verstanden: Ein Killer war in Ihrem Hotel, der brutal zu töten bereit war. Rational bedachte Max ihre Optionen und Prioritäten: 

Blitzartig war er wieder der frühere jüngere Vize-Hoteldirektor, der mit 16 Jahren als Commis im Hotel „City Towers Hamburg“ angefangen hatte und bis zu seiner Pensionierung das Haus in- und auswendig kennengelernt, aufgebaut und mit geprägt hat. Seit seinem Renteneintritt, arbeitete Max, Maximilian Lindemann, unregelmäßig an der Hotelrezeption, um geistig fit zu bleiben, als geringfügig beschäftigte Aushilfe und das machte ihm sehr viel Freude. Bisher. Heute sollte die letzte Schicht sein. Für ihn, für Chief und für „sein“ Hotel. „Aber wir haben noch Gäste“, dachte Max. Vorsorge und Luxus schützten sie nicht vor dem Funkloch der Mobiltelefonie, im Inneren. 

Das war heute, ohne funktionierendes W-LAN katastrophal, oder, wie Max, als routinierter Gastgeber abschwächend flüsterte „Sehr unglücklich….“ 


Kapitel 3 

Der letzte Touristen-Guide des gestrigen Abends hatte noch vor wenigen Stunden mit einer 10 köpfigen Reisegruppe aus Köln vor dem Hotel gestanden und dessen  gut gelaunten Teilnehmern laut und sehr bildhaft die Entstehungsgeschichte von Stadt und Hotel geschildert:  „1898 wurde das Haus errichtet. Über die verzweigten Lebensadern der Stadt, die Wasserwege, mit motorlosen Schuten und neuen Dampfbooten wurde Baummaterial transportiert und auf den Liggern, abgelegten Bootskörpern gelagert. Auf den teils schmalen Kanälen, war damals so viel Verkehr, wie auf manchen späteren Verkehrsstraßen. Das Hotel war ursprünglich als Zeitungsverlag mit angegliederter Inhaber-Villa konzipiert, wodurch sich der Umbau zum Hotel in den späten 1920er Jahren, nach der großen Rezession mit dem Vorteil eines eigenen Bootsanlegers ergab. Zum Bauzeitpunkt zeugte schon seit vier Jahren das Stadtbild der elektrischen Straßenbahn symbolisch, für eine neue Zeit. 

Nur wenige Hundert Meter von der damaligen Hotel-Baustelle entfernt, am „Baumwall“ fließt die Alster in den Elbstrom. Unverändert, seit im Jahre 845 der erste Ansatz für Hafen und Handel der damaligen „Hammaburg“ entstanden war und Kaiser Barbarossa garantierte a.d. 1189 freie Schifffahrt,  Warenverkehr, Fischfang sowie Weide- und Holzrechte. Das Fundament für eine Handelsstadt war gelegt. Im selben Jahr, wird durch die Alster ein Staudamm errichtet, der die erste Kornmühle der Stadt antreibt. Hamburg hat nun bereits halb so viele Einwohner, wie Stade. Jo, so war das!“,  betätigte er sich selbst zufrieden. 

Dann legte der Touristen-Guide, mit starkem norddeutschem Zungenschlag, richtig los:. 

„Das Hotel hier vor uns, hatte danach jahrzehntelang Maßstäbe für die Hotelklassifizierung 5 *****Sterne plus (Superior) gesetzt. Mit seinen 50  Zimmern und Suiten hatte das Juwel der Hospitalität einen kleineren Logisbereich, als die Wettbewerber, da man den Fokus auf die Gastronomie mit zwei Restaurants, zwei Bars und mehreren variablen Veranstaltungssälen und großem Konferenzzentrum setzte. Schon damals war der Eingangsbereich, die Hotel-Lobby so konzipiert, dass sie, hell und offen, zum Betreten einlud und nicht abschreckte. 

Standesunterschiede sollten nicht forciert, sondern aufgebrochen werden. Ein Konzept, das lange und oft kritisiert wurde, nur langsam zur Bekanntheit beitrug, sich aber irgendwann fest etablierte. Die herausragenden Zahlen bestätigten dann schnell und lange den fortschrittlichen Weg dieser Vermarktung. Die prozentuale Belegung war gut bis sehr gut, aber die durchschnittliche Zimmerrate war fast immer grandios, die Gastronomie exzellent belegt, mit sehr hohem durchschnittlichem Umsatz je Gast. So konnten Services stets hoch gehalten werden und Investitionen jederzeit flexibel erfolgen. 

Besucher trauten sich auch ohne Sonntagsgarderobe auf einen Snack oder einen Drink in die kleinere Bar, die im britischen Countryhouse-Stil gehalten war: Gemütlich, offen, herzlich und eben für Jedermann. Daraus rekrutierten sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte Gästegruppen, die um andere Luxushotels einen großen Bogen machten: Einerseits, weil sie darin alles für teuer hielten, aber vorrangig, weil sie meinten, ohne Titel, Adel, Geld nicht dorthin zu gehören. Und diese kurzsichtige Arroganz mancher Luxushotels, stimmte tatsächlich und wurde von deren Direktionen und beauftragten Architekten auch durch planerische und dargestellte Distanz gelebt. 

Das „City Towers Hotel Hamburg“, in den Anfängen nannten seine Gründer es noch „Hotel Hamburger Türme“, mit Blick auf die städtische Hymne „Hammonia“ war damals modern. Aber das war lange Geschichte. 

Im Wandel der Zeiten und mit Blick auf internationale Gäste und komplex verknüpfte Reservierungssysteme, war man auch hier, schon in den 60er Jahren, den Traditionalisten vorausgeeilt, hatte früh gut verdient. So gab es jahrzehntelang niemals Investitionsstaus, das Haus war immer in perfektem Zustand, die denkmalgeschützte Immobilie von Innen und Außen vorbildlich erhalten. Die besten Barpianisten spielten auf, Livekonzerte aller Genres sicherten überregionale Publicity.  

Nur so gelang es über Jahrzehnte, die hanseatischen Stammgäste für große Feste zu begeistern, die egal wie pompös ausgestattet sie waren, immer nur hamburgisch-bescheiden „Kleiner Empfang mit Imbissbuffet“ genannt wurden. Ebenso wurden bedeutende  Kongresse, wie der Weltwirtschaftsgipfel oder politische Spitzentreffen im Hause ausgerichtete. 

Auch hier war das Hotel Vorreiter, zumindest in der Stadt und es gab umfangreichen Schutz des Hauses, vor Anschlägen, mit schusssicher ausgestatteten Suiten und Kongressbereichen. Genau dieser Schutz, war aber jetzt gerade auch ein großes Hindernis. 

Das Mobiltelefon von Max bot keine stabile Chance auf Netzzugang, ein Anruf bei der Polizei war hier heute ausgeschlossen. Da offenbar das WLAN zu früh vom Provider deinstalliert worden war, ging ein einfacher Anruf nicht und WhatsApp nur an bestimmten Stellen, mit Geduld und zeitversetzt. 

Die dicke alte Fassade hatte ihre Besonderheiten vom später weltberühmten Baumeister Fritz Höger. Sie gab ihre eigenen Regeln vor, entstanden im vorletzten Jahrhundert, geprägt durch den Jugendstil. 

Die seit den zunehmenden Belastungen des Klimawandels abnehmende Stabilität der teilweise auf Pfählen im Fleetgrund verankerten Stützbalken, zur statischen Sicherung des Hotelfundamentes, führte jetzt – nach so langer Zeit – zur baldigen Schließung. Die lange Trockenheit hatte zerstört, was Jahrzehnte zuvor gehalten hatte. Die Inhaber sahen daher im Verkauf der Immobilie in 1A-Citylage den sicheren Profit.

Auch Tradition hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum, wie Milch, Brot, Butter und … das Leben.“        


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Kapitel 21  "Der Pinguin"

Der Hotel-Mitarbeiter in der eleganten, hinten weit ausgeschnittenen Uniform des Cutaway, von seinem Kollegium daher gerne „Der Pinguin“ genannt, stand in der Loge des Concierge, einem Teil der Hotelrezeption, von der aus den Beschäftigten der Einblick in weite Teile der großen Empfangshalle besonders gut möglich war. Er liebte seine Arbeit und in den ersten Jahrzehnten hatte seine Aufgabe, genauer gesagt: die Hotelgäste waren es – ihn bequem wohlhabend werden lassen. So hatte er zwar den Spitznamen „Pinguin“, aber nach Dienstschluss keine große Budgetverantwortung, dafür allerdings ein sehr schönes Haus, mit ebenso schönem Auto und drei gleichermaßen schönen Jahresurlauben, die so organisiert waren, dass er es mit zu seinem Verdienst zählte, dass seine Stellvertreterin und sein kleines Team, die Loge in dieser Zeit seiner Abwesenheit, ebenso gut führten. Der Hoteldirektor hatte unwissentlich weniger Geld, aber zweifellos mehr Stress.

Bis in die späten neunziger Jahre hinein, war der Hotel-Concierge, der es verstand, Menschenkenntnis und sprachliche Begabung in Einklang mit Empathie, Verschwiegenheit, Fleiß, Zeitmanagement und auskömmlicher Allgemeinbildung zu bringen, der beste Freund des Hotelgastes. „Ich bin“ so sagte es der Chef-Concierge selbstbewusst schmunzelnd „ der persönliche Gentleman eines Gentlemans“. Und das gilt gleichermaßen für jeden Menschen. 

Und ein guter Teil, von ihnen war auch in der Lage, diese Chance umfänglich zu nutzen: Für die Hotelgäste, die mehr suchten, als nur eine Übernachtungsmöglichkeit und natürlich den Arbeitgeber, das Hotel selbst: Die lebendige Bühne für die Inszenierung, in der jeder Gast der Superstar war, weil der oder die Concierge` immer das Bestmögliche dafür taten. 

Ein Concierge besaß, gestählt durch genaueste Ortskenntnisse seiner Stadt und die Vernetzung mit der Vereinigung der Goldenen Schlüssel auf nationaler und internationaler Ebene wiederum, umfangreichstes Wissen. Theaterkarten längst ausverkaufter Premieren, 50 Orchideen um Mitternacht, komplizierte und zeitlich auch umsetzbare Flugbuchungen, frisch angerichtete Austern um 3-Uhr nachts, einen spontanen Hubschrauberflug am Sonntagmorgen: Die Concierge-Loge konnte das alles diskret, vorausschauend und wurde vom dankbaren Gast großzügig dafür entlohnt: Durch den Dank selbst. Und mit Geld.           

In den 90er Jahren, mit Internet, Google, Globalisierung, sank das Einkommen deutlich. 

Bereits seit fast 35 Jahren war er Inhaber der Goldenen Schlüssel am Revers seines tiefgrauen Kleidungsstückes, davon 25 Jahre als Chef Concierge im Pazifik Int`l Hotel und zuverlässig gerüstet, mit untrüglicher Menschenkenntnis und gutem Reaktionsvermögen.  

Als er das schwarz gekleidete Pärchen in der Eingangstüre sah, erkannte der Chef- Concierge in Sekundenbruchteilen den Ablauf der nächsten Minuten. Er rannte geduckt zu seiner Stellvertreterin und den jungen Empfangsmitarbeitern, wies beide an, in das Back Office zu gehen, Türe zu schließen, Info an den Manager vom Dienst zu geben. „Keine Helden, Yasemin, raus hier. Jetzt.“ Das waren seine letzten Worte.  Er zog sich hoch, entriegelte und drückte währenddessen fest auf den roten Hauptschalter der Instrumententafel. Alarm war ausgelöst. Chance auf Flucht hieße, Kollegen zu gefährden.

In dem Moment, erlebte er wirklich sein Leben im kurzen Zeitraffer, empfand eine Verlängerung der Abläufe, wie damals, bei seinem glimpflichen Sturz von der Klippe. Er sah alles so klar, als er sich wieder hoch beugte, ganz aufrichtete und dem schwarz gekleideten Pärchen, in vollendet eleganter Körperhaltung ein Lächeln entgegensetzte. 

Er lächelte noch, als die Pistole schallgedämpft feuerte, in liebevollen Gedanken an seine Familie, sein Leben. Sechs Schusswunden aus nächster Nähe, ließen ihn sein Dasein in Sekunden ausbluten.