Auszüge/Praxisbeispiele

Action

Titel: Säuberung

Hamburger Hafen, Höhe Grasbrook , 13. Juli 2024, 11:05h 


Schiff und Flugzeug  trennten nur noch 600 Meter. Der Steuerknüppel folgte synchron den Weisungen des Computers: Wie von Geisterhand, wurden Schalter umgelegt. Langsam, aber zuverlässig, senkte sich jetzt planmäßig die Nase der kleinen Maschine. Der künstliche Horizont zeigte die genaue Fluglage und nahm eine Position an, die Piloten als besorgniserregend bezeichnet hätten. Ein Alarmsignal schrillte grell, „Strönumgsabriss“, gedacht zum Eingreifen eines Piloten, den diese Maschine nicht hatte. Der automatische Befehl an das Höhenruder erfolgt schwerfällig, ließ die Flügelspitzen  vibrieren. Kabine und Schwimmausleger waren mit Sprengstoff gefüllt. Eine Boe traf das Wasserflugzeug, der als zuverlässig und solide bekannten Marke DeHavilland kurz vor seinem Ziel unvorbereitet. Der Computer konnte die Kurskorrektur sofort ausgleichen. 

Die Maschine bohrte sich steil in das Bootsdeck der MS Eppendorf, der hintere Schornstein fiel voran. Die sofortige Explosion war gewaltig und erhellte den Himmel über dem Hafen...

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Science Fiction


Titel: Das Schlüsselbund 

 

In wenigen Jahren wird ein Schlüsselbund für Jedermann ersetzlich sein. Fingerabdrücke, Pincodes und Pupillen werden permanente, öffnende Begleiter. 

 

Gerade für die Älteren und Alten wird es schwer werden, die neuen Türöffner als verlässliche Freunde zu verstehen, Risiken und Chancen als gleichwertig zu akzeptieren. 

 

Unsere Helden in dieser Geschichte leben meistens heute. Und sie beschäftigen sich mit unser aller Leben morgen. 

 

Ein Schlüsselbund ist also wirklich sehr variabel. Die Anzahl der Schlüssel ändert sich, wie das Leben. Er ist sein Spiegel. Keinen zu haben mag Reichtum mit vollem Service bedeuten. Oder Obdachlosigkeit. 

 

Das Schlüsselbund wird bald Geschichte sein. Heute hat es seine Eigene. Unsere Geschichte. 

 

Und Sie, liebe Leser, wieviel Schlüssel haben Sie heute? 

 


Drama


Titel: Die überraschte Wahrsagerin  


Sie konzentrierte sich wieder auf die Fahrbahn, kämpfte gegen die Übermüdung an und legte den linken der drei Regler weiter nach links, um mehr Lüftung der Frontscheibe zu erhalten. Sie fror, ließ die Temperatur jedoch weiter niedrig, um wach zu bleiben.     

 

Mein Engel, ich habe Dich so unendlich geliebt. Warum  hast Du mich verlassen. Tränen rannen über Ihre Wange, sie konnte nur noch schluchzen. Zum Weinen reichte die Trauer nicht mehr. Sie fuhr den alten Ford langsam an den Straßenrand des Rastplatzes. Sie stoppte. Die Augen waren verschleiert, von den Tränen tiefster Trauer, die das Herz zu zerbrechen schienen.  Sie wusste nicht weiter, Verzweiflung und Perspektivlosigkeit waren die Grundlage all ihrer Gedanken. Er war tot. Unwiderruflich. Er war alles in Ihrer Welt gewesen. Er war das erste Gesicht am morgen, der Freund und Ratgeber am Tage, Geliebter am Abend und Beschützer in der Nacht. Sie waren nie länger, als drei Tage getrennt gewesen in den 14 Jahren ihrer Gemeinsamkeit. Und unendlich erschienen ihr stets diese paar Tage. 

Die Endlichkeit hatte aber jetzt begonnen. Sie konnte es nur nicht verstehen, sie hatten doch noch gestern zusammen gesessen, sich umarmt und er hatte sie gewärmt. Sie spürte und hörte ihn noch, aber es gab ihn nicht mehr. Früher hatten sie gemeinsam von „immer“ gesprochen und beide wollten auch nicht an eine Zeit ohne den anderen denken, ...

Krimi


Titel: Die große Suche
 

Diesen Moment genoss der Täter jedes Mal, den Sekundenbruchteil in den Augen seines Gegenübers, wenn aus Selbstsicherheit Angst wurde, die sich unmittelbar in Panik wandelte. 

Daher war es so wichtig, den ersten Schuss immer in die Leber zu geben, um die Zeit der Erkenntnis nicht zu verringern. Er feuerte nie zuerst in das Herz.  Er war Profi. 

Diese Show war sein Höhepunkt. Immer. Den durfte ihm keiner nehmen. Das stets  großzügige Honorar für seine zuverlässigen Dienste, das stand für ihn erst an zweiter Stelle. So verknüpfte er Beruf und Hobby.      

Die Waffe hielt er weiterhin in der rechten Hand. Sicherheitshalber. Es musste in dieser Luxusbude doch Zigaretten geben und Rotwein. Das Restaurant war, so erinnerte er, an den Schildern gesehen zu  haben, ganz oben. „Dann wollen wir `mal, ´N Joint wird`s in dieser feinen Bude wohl kaum geben “, murmelte er und lachte hustend über seinen kleinen Spaß, trocken in sich hinein. Es war ein röchelndes Lachen. Humorfrei. 

Er wischte sich angeekelt einige Blutspritzer von den teuren Schuhen und reinigte seine Hände oberflächlich an den hochwertigen Wandteppichen. Dann suchte er den Weg nach oben. 



Theatralik/Erotik


Titel: Nackte Philosophie
 

Während sie sich im abgedunkelten Zimmer langsam und sanft gegenseitig auszogen, fand Billy noch die Zeit, zu ihrer Genugtuung, Heraklit so zu zitieren, dass sie beide im Recht waren und später mit Spaß weiter streiten konnten, ohne sich zu verletzten, sehr wohl aber, theatralisch – humorig,  ihr Wissen dabei auszutauschen: 

„Richtiges Bewusstsein ist die Tugend“, so hob Billy lustvoll lächelnd an - 

„Und Weisheit ist es, Wahres zu sagen – 

und zu handeln, nach der Natur, 

auf sie hinhörend.“ 


George hatte aufmerksam, bis zum Ende des Zitates zugehört und erst danach langsam Billys Bademantel einen Spalt geöffnet, um ihre selten schönen, so geliebten Brüste zu streicheln und sie sanft mit den Lippen zu liebkosen. Dabei strich seine Hand sanft, mit kreisenden Bewegungen, langsam und gefühlvoll an ihrer sensiblen Wirbelsäule weit herunter. Er flüsterte „….So schön, Geliebte, wunderbar….“ 

Und Billy war unsicher, ob George ihr Heraklit-Zitat, oder aber ihren erregten Körper meinte, fand die Frage jetzt aber auch wirklich vollkommen nebensächlich.   Dann klopfte es.    

Sozialreport

Titel: Abwärts und zurück

Marco Wilms war Stadtführer der anderen Art: Er machte sich gerade auf den Weg zu seinem heutigen Einsatz, dem Stadtrundgang „5 Sterne-Stadt versus * 0-Sterne Existenz“.

Dabei zeigt er die Schattenseiten des Lebens hinter den hochglanzpolierten Fassaden in 1A- Lagen auf: Das Leben in der Obdachlosigkeit, ganz oder zeitweise auf den Straßen der Großstadt. Wie es sich lebte, im Umfeld des Luxus, ohne selbst mehr beanspruchen zu können, als Harzt IV oder Bürgergeld, als Tagesaufenthaltsplatz und Übernachtungsstelle in der ältesten Obdachlosenunterkunft Deutschlands, dem als Polizei-Asyl gegründeten P-As in der Hamburger Innenstadt, gerade einmal 1,5 km vom Hanse-Hotel entfernt und doch in einer ganz anderen fernen Welt. Für die meisten zumindest. 

Diese Facetten konnte Marco sehr gut dreisprachig erklären und zeigen. Besonders hilfreich war es, wenn auch nur rückblickend, dass er große Abstürze, den Verlust von Arbeit, Familie, Haus und Gesundheit selbst zu intensiv erlebt hatte. Und zwar unglaublich schnell !

Historie


Titel: Das Burgrestaurant

(...) Uli, der Pianist spielte auf der anderen Seite der Bar, mit riesigem Repertoire, Uli, der seine  Notenhefte nie auspacken musste, um sanft, gefühlvoll, leidenschaftlich zu spielen, der jedes Genre – von Klassik, über Filmmusiken der Jahrzehnte und Schlagern sowie Jazz, Blues und Swing – beherrschte, hatte schon in jungen Jahren mit vielen namhaften Interpreten „live on stage“, wie er sagt, gespielt. Heute ergänzte er noch leise singend den Refraingesang, zum Klassikerfilm Casablanca


Es roch nach einer gerade angebrannten Davidoff-Zigarre und etwas angenehm-süßlichem, nach einem Pfeiffentabak, von mehreren elegant gekleideten Gästen, die im rechten Winkel an der Bar saßen und sich, wie es schien, gut gelaunt unterhielten. Sie warteten wohl auf ihren Tisch im Restaurant. 

Fast, als wäre sie ein Teil der musikalischen Untermalung, schlug die englische Standuhr mit angenehm weichem Klang und langem Nachhall sechsmal. Unwillkürlich nahm Vincent seine aufgeklappte Taschenuhr aus der Anzugsweste, verglich die Zeit auf dem verzierten Ziffernblatt, einem Erbstück seines geliebten Großvaters, mit der Standuhr und nahm die genaue Übereinstimmung der Zeitangaben mit Genugtuung zur Kenntnis. 
Vincent gab sich selbst das Startsignal für seine fragwürdige Mission. 
 

Thriller

Titel: Der nächste Auftrag
 

(....) Aber jetzt stand er an der Kasse vom Supermarkt in Bahnhofnähe und wartete schon mehrere Minuten.   Er hatte sich doch für zwei Flaschen Barolo des 2012er Jahrganges aus dem Piemont entschieden, drei Schachteln Luckys nahm der Killer sich gerade im Kassenbereich, aber die Kunden vor ihm waren sehr behäbig.  „Soll ich schon mal vor“ bot er an und drängelte sich robust nach vorne, aber die Kassiererin ermutigte ihn scharf „doch bitte zu warten“. Seine Blicke funkelten sie angriffsbereit an, aber er ging zurück und grinste linkisch, brach den Blickkontakt zu ihr ab und wandte sein hasserfülltes  Gesicht routiniert weg, von ihr und der Kamera. 

Er kaufte immer, notgedrungen zu etwas erhöhten Preisen, in besonders stark frequentierten Geschäften mit teils durchgehenden Öffnungszeiten und hoher Personalfluktuation ein. Nicht erkannt zu werden, unauffällig zu wirken, das war sein vorrangiges Ziel. Er beherrschte dann sogar belanglosen Small Talk, um gegenüber Dritten harmlos zu erscheinen, wenn er angesprochen wurde.   

Die erste Flasche des Barolo, war schnell in der U-Bahn Richtung Hauptbahnhof geleert, der Tatort seines Überfalles verschwamm in Gedanken an Belanglosigkeit. Der Killer dachte an seine weiteren Ziele für heute. Und morgen müsste er den Auftraggeber kontaktieren, den er „sein Management“ nannte und nicht kannte. Nach Außen trat er als Musiker, Songwriter, Textdichter auf, um sein unstetes Leben plausibel machen zu können. Da er in keinem der Felder eine auch nur vage  Expertise besaß, wurde er bei Nachfragen kreativ, durch Verweis auf historische Filme und Musikstücke, bei denen mitgewirkt zu haben, er erstaunlich überzeugend vorzugeben wusste. 
Wurde weiter hinterfragt, schlug er brutal zu.

Komödie


Titel: Welttheater

Was für eine Inszenierung, dachte Benny beeindruckt, den eigentlichen Zweck seines Aufbruches völlig vergessend. „Ein exellentes Szenenbild, grandios“, flüsterte er begeistert und blickte nach vorne: 

Der alte Porsche, direkt in der Einfahrt, typgleich mit dem Sportwagen, in dem der große Schauspieler James Dean seine traurige finale Rolle gab. Dazu das grelle blaue Licht, das sich in Intervallen an der Glasfront des Hoteleinganges spiegelte und dessen Innenraum temporär in Helligkeit tauchte, von zahlreichen Spiegeln im Inneren wieder rückreflektiert,  die aufgeblendeten gelbweißen Scheinwerfer des Wagens und seine eingeschalteten Warnblinker, darüber das große, erleuchtete Hotellogo. Und dahinter war der beginnende Sonnenaufgang über der Altstadt zu sehen. 

Das Kulissenbild ist etwas aufwändig, aber mit ein wenig guten Willen, auf den großen Bühnen in seiner Heimat Cleveland, Ohio zu inszenieren, vielleicht sogar, als Midwest-Turn, bis nach Chicago. 

Die beiden am Boden hockenden Statisten im Vordergrund, obwohl, wie er meinte noch unvorteilhaft ausgeleuchtet, erinnerten Benny endlich wieder an seine selbst auferlegte Aufgabe, hier und jetzt, um Unterstützung zu ersuchen. 

Zeitgeschehen


Titel: Fall der DDR-Diktatur - Ich war dabei

Die Straßenbahn ruckelte, auf der Fahrt von Spandau zum Checkpoint Charlie, einer vor weinge Monaten noch undenkbaren Strecke, Anna lächelte. 

"Wenn die DDR nicht wirtschaftlich pleite gewesen wäre, hätte es die deutsche Einheit gegeben, trotz des mutigen Gorbatschow?
Nein. Die DDR-Diktatur würde weiter töten."  

Was wir heute erleben, sind wieder kaum sichtbare Haarrisse. Dennoch ist es nichts Geringeres, als eine bröckelnde Demokratie. 

"So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen", das hat Ditfurth vor 35 Jahren beschrieben, wissen Sie ? Oder Weizsäcker in Faktor 5. Und wir ? Ein Szenario, das real wird. Wir laufen auf den Abgrund zu. Wir sehen den Abgrund. Und wir wissen, was der übernächste Schritt bringt:  Dass er Tod bringt für Viele.

Demontage der Demokratie und wir gehen trotzdem einfach weiter. Trotzdem. 

Die Globalisierungsökonomie bröckelt, die traurigen und gefährlichen Seiten der Internetwüste fördern Aufgeregtheit und Hasskultur. Konsens und Dialog sind bald geschichtliche Irrtümer veralteter Weltbilder. Nehmen Sie es bitte ernst", forderte Anna atemlos. 

 

Nicht für mich. Für uns alle." "Dinge können sich wiederholen. Die Technologien, gut , die ändern sich, aber die Einstellung von vielen Menschen kann sich 1 zu 1 wiederholen. Los: Lassen Sie uns Geschichten erzählen, damit die Menschen klar und schnell verstehen". 


Rezept aus der Textküche



Rezept aus der Textküche:

26 Buchstaben, frisch angerichtet, um eine Prise Humor ergänzt, mit guten Themeninhalten vom literarischen Wochenmarkt langsam aufkochen lassen.

Dazu etwas emotionaler Tiefgang, mit einer Messerspitze Satire verfeinert.

Danach gewürzt, gekürzt und reduziert, später vom Lektorat kritisch abgeschmeckt. Die Essenz heiß servieren, nicht brodelnd.

Dazu empfiehlt die Textküche kühle Neugier, knisternden Kerzenschein und pure Lebensfreude, alles „on the rocks“.       

Der abgeschlossene Rätselkrimi. Titel: Gute Freunde

 

Olgas Küchenfenster stand weit offen.

 

Toskanisches Olivenöl brutzelte in der Pfanne, das war Signal für Olga, nun die gesalzenen

Jakobsmuscheln, die schon fast das Volumen kleiner Steaks hatten, langsam hinein zu legen

und die Temperatur etwas zu senken. Der Blick auf den selbst gemachte Kartoffelpürree ließ

sie zufrieden lächeln. Olga ging in das kleine Esszimmer, um die getrockneten Chillischoten

zu holen und den Madagaskar-Pfeffer für das Erbsensoufllèe. Gleich war ihr Essen fertig.

 

Das Telefon klingelte. Sie legte Chilli und Pfeffermühle beiseite und hörte dem Anrufer zu.

Schemenhafte Erinnerungen wurden wach, gewannen Struktur und sie lächelte. Willy! Ihre

große Sandkasten-Liebe sprach schnell, so dass aus ihren Erinnerungen wieder klare Bilder

wurden: an sie selbst, an Willy und dessen Mutter, die oft auchfür Olga mit gekocht hat. Sie konnte so wunderbar Scholle mit Krabben braten, frischer ging es nicht, nur Willy bekam immer etwas Anderes, wenn es Fisch gab. Und sie dachte natürlich besonders gerne an den Sandkasten, ihre Spiele, in Sindefingen, bei Stuttgart. Willys Mutter hatte sie schon früh inspiriert später selbst zur passablen Hobby-Köchin zu werden. Ihrem verstorbenen Mann hat´s immer gefallen. Die Erinnerungen waren jetzt glasklar.

 

Ende der 50er Jahre, als sie langsam Teenager wurden, hatten sie sich aus den Augen verloren, Willy musste damals umziehen. Nach Hannover. Und jetzt hat er angerufen: "Olly, ich komme gleich mal eben vorbei. Bringe auch einen Piccolo mit, auf die alten Zeiten, Olly".

 

Schnell setzte Olga noch die Lippen- und Kajalstifte routiniert an. So rasant, wie ihre

Gedanken in der Zeit zurückflogen, so sehr freute sie sich auf den Besuch. Willy!

Willy, der kleine blonde Junge mit dem frechen Grinsen stand breit vor ihrer Haustür, alt und

etwas ungepflegt zwar, jedoch kräftig und mit fast jugendlichen, aber unruhigen Bewegungen.

Olga ging in die Küche vor und Willy schien das Grundstück durch das Küchenfenster zu

taxieren. Er sagte nüchtern, "Olly, Du hast Dich gar nicht verändert". Sie lächelt milde,

mustere ihn nun genau und meinte schmunzelnd "Du hast Dich schon verändert, in 75

Jahren".

Als sie seine kalten unruhigen Augen genau ansah, musste sie Ihre ganz Selbstbeherrschung

zusammenreißen. Willy durfte ihre plötzliche Angst nicht merken. Sein verschlagener Blick

ließ sie frösteln. Oh Gott, Das wird kein schönes Wiedersehen, dachte sie.

 

Lenke ihn ab sagt sie sich. "So lange haben wir uns nicht gesehen. Lebst Du noch in

Hannover ? Ich freue mich so." Er sah auf das Essen und murmelte " Nein, sind bald umgezogen, danach Bund und Lehre."

Dann veränderte sich Willys Ton: "Siehst Du das hier? Er deutete auf ihr Telefon, aus dem

er die Batterien entfernt hatte. Deine Haustür ist auch abgeschlossen. So. Du gibst mir jetzt

Dein Geld, den Schmuck und vergiss nicht die Münzsammlung Deines Vaters, die hast Du

doch sicher auch noch! Alles Zusammen suchen! Jetzt! Ich esse die kleinen Kalbsststeaks

oder was das ist. Beeile Dich. Und mache keinen Mist, ist das klar, Mädchen?

Olly dreht sich um, sie schöpfte nun etwas Hoffnung. Die Angst blieb, aber es kam noch ein

neues Gefühl hinzu, das sie an sich nicht kannte. Es war eine Wut auf den vermeintlichen

Freund, der so plötzlich zur Gefahr für sie geworden war. Sie sammelte mit zitternden

Händen nebenan ihren Schmuck zusammen und hörte, wie er sich das Essen Stück für Stück

aus der Pfanne holte. Er aß gierig ohne Gabel. Beilagen nahm er sich nur mit den Fingern.

Willy schmatzte und rülpste. Er hatte sich sehr verändert. Hoffentlich war nicht alles anders

mit Willy. Olga wartete. Würde es klappen, könnte ihr kleiner Hoffnungsschimmer aufgehen.

Dann ging alles sehr schnell. Olga hörte einen kurzen Schrei, der überrascht klang. Ein

tiefer gurgelnder Laut kam aus Willys Kehle und der schwere Körper fiel laut auf den

Steinfußboden, gefolgt von Stuhl und Tisch.

 

Willys Besuch war zu Ende. Olly atmet auf und legte die Batterien wieder in ihr Telefon, um

die Polizei zu rufen. Nachdem Willy Koslowskies Leiche aus dem Haus von Olga getragen worden war, ging Kommissar Keller wieder hinein, zu der aufgeregten aber gefassten Hausbewohnerin.

"Frau Olga Metzmann, nachdem sie mir Ihre Angaben zum Verstorbenen eben gemacht

haben, ihre Kindheit mit ihm und in seinem Elternhaus, gemeinsame Mittagessen, müsste ich

sie jetzt verhaften, wegen unterlassener Hilfeleistung. Sie wissen, warum?" fragte er streng.

Er lächelte die gepflegte alte Dame milde an und sagte weiter: "Allerdings sind sie schon sein

zehntes Opfer, nicht alle haben seinen Freundschaftsbesuch überlebt. Damit ist jetzt

Schluss. Danken darf ich Ihnen nicht." Er lächelte. "Etwas übersehen, das kann aber auch mir

passieren". Bleiben Sie gesund, Frau Metzmann !"

Kommissar Keller legt zum Abschied seine Hand an die Hutkrempe und sagte noch ein paar

Worte. Frage: Warum könnte er Olga verhaften ?

 

Rätselkrimi. Titel:  Gute Freunde Auflösung:

 

Nachdem Willy durch den Verzehr der kross gebratenen Jakobsmuscheln (die er irrtümlich

für Kalbssteaks hielt) in Ollys Küche einem tödlichen allergischen Anfall erlag, rief Olly

aufgeregt die Polizei.

Olly hatte Kommissar Keller, die Kindheit mit Willy und wie sie oft von Willys Mutter zum

Essen eingeladen wurde, erzählt, auch, dass Willy nie Fischprodukte essen durfte, wegen

seiner Allergie.

"Nur Sie konnten wissen, das er den Verzehr nicht überleben würde, Frau Metzmann !", sagte

Kommissar Keller im Gehen.

Mein Freund "Happy" - Satiren für Jugendliche und Erwachsene 

 

"Moin!" 


Wollte mich kurz vorstellen. Ich bin „Happy“ Oder Happyhappy, auch Ohneinhappy und  Dashathappygeklaut und manchmal Woisthappydennwieder. Happy mag ich.


Von der Nordseeküste komme ich und habe mich jetzt in meiner neuen Höhle bei meinem Rudel etabliert. Da ist die Essenmacherin, oder Food-Logistik-Specialistin, genannt „Süße“ und der Gassigeher oder 7/24-Portier, der heißt „Mucki“. 


Meine Erziehung macht akzeptable Fortschritte. Obwohl sie nicht immer tun, was ich erwarte. 


Der Service ist erkennbar bemüht, aber eher schleppend. Die Speisenauswahl ist bei mir deutlich geringer, als bei dem Rudel. Auch mein Nachteil, den Kühlschrank nicht erreichen zu können, ist bestenfalls unfair, eher aber wettbewerbsverzerrend.


Sie könnten allerdings sehr gut wissen, wie der optimale Ablauf für ihren kleinen Happy (das bin ich) meiner Ansicht nach sein sollte.


Nehmen wir `mal exemplarisch das Essen: 

Sie haben es ja neulich in dem Restaurant, in dem wir waren, selbst gesehen, wie das geht. Man bekommt von den Wassernapfhin-stellenden im Restaurant eine Karte, sucht sich etwas aus und genau das wird bald vor einem platziert.  Einfach und effizient. Ja, genau so war das. Mit dem bedauerlichen Unterschied, das ich selbst nicht einmal gefragt wurde. 

Einen mitgebrachten Knochen, ja, den habe ich erhalten. Und über mir?: Duftende Delikatessen. Die schwache Erklärung des Rudels, „das ist nix für Dich, Happy“, schien mir fragwürdig. Aber ich bin nachsichtig mit ihnen.


Dann der Nachtservice des Entsorgers. Ich muss dringend in geschäftlicher Angelegenheit des Nachts in den Garten und Mucki wechselt erst zeitintensiv seine Garderobe und sucht die Brille.

Auch hier zeigt die gelebte Praxis, dass es, bei entsprechendem Engagement, spürbar besser geht: 


In einem Fernsehbericht über die vorbildliche Einsatzbereitschaft der regionalen Feuerwehr, war klar zu erkennen, dass die dortigen Einsatzkräfte in 10 Sekunden auf dem Weg zum Einsatzort sind. Davon kann der kleine Happy nur träumen.  


Ich werde hier noch die Dringlichkeit stufenweise intensivieren, habe ich mir vorgenommen. Fairerweise sei gesagt, dass der liebenswerte Bauchstreichelservice des Rudels vorbildlich funktioniert. 


Insgesamt sehe ich die Zukunft mit den Beiden einigermaßen optimistisch. Das wird! 


Nächste Woche erzähle ich Euch von meinen vier Schlafstätten und deren strategischer Bedeutung.


Zu folgenden Themen referiere ich künftig:


Taschendiebstahl leicht gemacht: Inhouse-Trainings-Tipps vom Profi (also: von mir, Eurem Happy)


Beutezug mit System: Anschleichen auf leisen Pfoten, Elektronik greifen, strategischer Rückzug


Fussleistendemontage: Turboflucht mit Versteck

Perspektiven erweitern: Schuhschranköffnung leicht gemacht (Mit Vorschlag zum Umsortieren)


Gegenwart und Zukunft